Veröffentlicht im Echinger Forum 02/2026 (Online-Fassung vom 22.02.2026)
Überraschend kandidiert Sebastian Thaler nochmal und hat die Liste "Mega" hinter sich. Sie vereinige in ihren Berufen bewährte Personen, liest man. Da ich auch einmal an Thalers Seite stand, bedaure ich diese Kandidaten schon. Dass Sebastian Thaler alles in den letzten Jahren erreichte sich zuschreibt, sollte sie skeptisch stimmen.
Ein direkter Bus nach Garching war Punkt in unserem Programm. Das Konzept lag schon zu Zeiten seines Vorgängers in den Schubladen. Doch dass sich Thaler nach 2020 dafür einsetzte, war nicht erkennbar. So kam es zu den Anträgen vom Oktober 2021, in welchen unsere Fraktion den Lückenschluss zur U-Bahn mit Verbesserungen für Deutenhausen, Ottenburg und Günzenhausen verband. Es deprimierte, wie die Verwaltung unter Sebastian Thaler eine klaren Willensbekundung des Gemeinderats abwendete und daraus eine unterwürfige "Bitte um Prüfung" machte. Als Konsequenz ließ unsere Fraktion eine Anfrage zu formalen Anforderungen für Dienstleistungen im Nahverkehr folgen. In keiner der drei Sitzungen von Februar bis April 2022 kam, als an die offenen Fragen darin erinnert wurde, etwas von Substanz. Thalers Desinteresse war offenkundig. In der Mai-Sitzung wurde dem Gemeinderat schließlich dargelegt, dass die von einer Gemeinderats-Mehrheit erwünschten Verbesserungen im Busverkehr nicht durchführbar seien.
Wenige Monate darauf wurde zur allgemeinen Überraschung die Buslinie 696 angekündigt und zu ihrem Betriebsstart im Dezember 2024 zollte Bürgermeister Thaler dafür allen Kräften der Verwaltung hohes Lob. Einen offenen Brief, wonach die Fahrten dieser Linie weder auf die S-Bahn abgestimmt waren noch den Takt der bestehenden Linie 695 ergänzten, beantwortete nur der Landrat, nicht aber der Bürgermeister und der MVV.
Tiefere Einblicke ermöglichte mir Sebastian Thalers Einverständnis, an einer Besprechung mit der Bahn zum barrierefreien Umbau des S-Bahn-Haltes teilzunehmen. Während unser Bürgermeister rückblickend von der Atmosphäre angetan war, hatte ich den Eindruck, dass man uns Gemeindevertreter nur abgefertigt hatte. Zu jeder Baumaßnahme führten die Gastgeber ein Problem an, und zwar - wie später mit Fotos aus Unterschleißheim und Riem zu belegen war- durchgehend solche, die anderswo gelöst worden waren. Ob es schließlich an einer angenehmen Atmosphäre, einer rundweg vom Tisch gewischten Machbarkeitsstudie als Vorleistung oder an nachweislich durchführbaren Umbau-Maßnahmen lag, wenn unsere Station in einigen Jahren doch barrierefrei ist? Diese Frage ist inzwischen nachrangig und wird vermutlich offen bleiben. Denn die Staatsregierung trumpfte auf, indem sie 18 Millionen Euro für etwas bereitstellt, was laut der für die Gemeinde erstellten Studie auch für 1,5 Millionen machbar gewesen wäre. Bürgermeister Thaler verbuchte das - hier einmal im Einklang mit dem gesamten Gemeinderat - als Erfolg.
Da ich erst seit 2024 dem Gemeinderat angehöre, ließ ich die Auseinandersetzung zwischen Rat und Bürgermeister rund um Vergehen im Amt eher an mir vorüberziehen. Offenkundig zerstörten hier ebenfalls verweigerte Auskünfte das Vertrauen einstiger Unterstützer.
Wohltuend war allerdings Thalers Erlaubnis, vor der Vereidigung als Gemeinderat eine Erklärung über meine Haltung zu Fingerabdrücken im Meldewesen abzugeben. Die sofortige Entrüstung gewisser Ratsmitglieder erwies, wie zentral für manche von ihnen die Oberfläche ist. Das wirft die Frage aus, inwiefern sie zur Politik und zu einem Bürgermeister gehört und ob all die "im Beruf bewährten" die Zeit und die Energie aufbringen wollen, darunter zu schauen.
Markus Hiereth