Ökologisch-Demokratische Partei
Ortsverband Neufahrn-Eching

Veröffentlicht im Echinger Forum, Ausgabe 05/2022

Portrait Susanne Rauschmayr

Brass Wiesn - höher, weiter, mehr?
von Susanne Rauschmayr

In der Januar-Sitzung des Gemeinderats wurde gegen zwei Stimmen von ÖDP und FDP beschlossen, die Besucherkapazitäten der Brass Wiesn von 15.000 auf 21.000 Besucher auszuweiten.

2019 noch hatte Geschäftsführer Alexander Wolff vom Veranstalter Sonnenrot GmbH angekündigt, dass damals mit 15.000 Besuchern kein weiteres Wachstum angestrebt werde. Nun erklärte er in der Sitzung, dass durch die pandemiebedingten Ausfälle in 2020 und 2021 mit den seit 2019 verkauften Tickets die Kosten nicht mehr gedeckt werden können und deshalb auf 21.000 Besucher erweitert werden solle.

2013 gab es die Brass Wiesn erstmals, sozusagen als Nachfolger des Sonnenrot Festivals. Um die 3000 Besucher waren es damals, danach steigerte es sich jedes Jahr bis auf ca. 15.000 Besucher pro Tag im Jahr 2019. Den Veranstaltern sei der Erfolg zu gönnen, auch wir freuen uns über das gelungene, immer friedliche Festival und das Wiederaufleben der Bayerischen Volksmusik und Traditionen. Aber wie geht die Entwicklung weiter? In den nächsten Jahren dann noch mehr Besucher? Eine noch größere räumliche Ausdehnung? Noch mehr liegengebliebene Billigzelte, Sofas und Müll? Wer sich das Freizi, die Wiesn und Äcker des Campingplatzes und das Gelände um den See direkt nach dem Festival anschaut, der traut kaum seinen Augen, wie es dort aussieht. Natürlich hinterlässt der Veranstalter das Gelände blitzblank gereinigt, der Regen wäscht die Gerüche der Wildbisler weg und auch der See erholt sich wieder. Eine Landschaftsbaufirma kümmert sich um die kaputten Wege und Wiesen im Freizeitgelände.

Die Berge an Müll, unter anderem aus Dosen und Plastikflaschen am Campingplatz (da ja Glas nicht erlaubt ist) sind jedoch unwiderruflich geschaffen. Immerhin gibt es ein Müllpfandsystem am Campingplatz und kompostierbare Plastikbecher auf dem Gelände. Durch die größeren Besucherzahlen wird aber das Festivalgelände außerdem nach Süden und Westen hin erweitert, also in Richtung Naturschutzgebiet. Braucht es das wirklich? Reichen nicht 15.000 Festivalgänger?

Diese Zeilen sollen kein erhobener Zeigefinger sein. Warum geht die Tendenz hierzulande jedoch immer häufiger in Richtung höher, weiter, mehr ? Wir müssen jetzt(!) unsere Ressourcen schonen, um die Herausforderungen des Klimawandels nicht unseren Kindern zu hinterlassen. Und Ressourcenschonung heißt im Fall der Brass Wiesn, dass nicht noch 6000 Menschen zusätzlich kommen. Es ist an der Zeit, mehr an unsere Umwelt zu denken und dafür in Kauf zu nehmen, dass ein Veranstalter anders haushalten muss.

Für mich persönlich stellt sich auch die Frage, ob ein Gemeinderatsbeschluss mit 21:2 Stimmen wirklich das Meinungsbild der Echinger repräsentiert. Eine schon lange geforderte Bürgerbeteiligungs-Software wäre hier durchaus sinnvoll gewesen.

Herzlichst,
Susanne Rauschmayr

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